Der Arbeiterfotograf 1932 zum Thema „gestellte Bilder“

Verbandszeitschrift „Der Arbeiterfotograf“ März 1932
Aus der Abteilung Bildkritik

Gefangener.
Es liegt außer dem Bereich der Möglichkeiten, daß ein Arbeiterfotograf einen Gefangenen am vergitterten Zellenfenster aus nächster Nähe fotografieren kann. Um nun doch ein Bild in diesem Sinne herzustellen, hat der Genosse H. das oben genannte Motiv künstlich, und dies sehr mangelhaft, inszeniert. Man erkennt auf den ersten Blick das Kellerfenster, dahinter, vollkommen unmotiviert, eine Bretterwand.
gefangenergefangener
Die Pose des „Gefangenen“ erscheint etwas glaubhaft; zum mindesten ist sie nicht schlecht gestellt. Aber selbst, wenn es gelingen würde, das Motiv täuschend nachzuahmen, wäre die Aufnahme abzulehnen. Hier hört die Tätigkeit des Fotografen auf, hier tritt der Zeichner oder Maler in Aktion, der nach Wissen und Vorstellung das für die Kamera Unerreichbare gestaltete Das Foto soll Dokument sein und nicht nachahmen oder lügen. Die Fotografie in diesem Sinne zu mißbrauchen, überlassen wir der bürgerlichen Presse. Versetzen wir uns in die Lage unserer eingekerkerten Genossen. Ein Foto wie das vorliegende, dürfte von ihnen als Verhöhnung empfunden werden.

Wer sich dafür interessiert: Die komplette Sammlung der Zeitschrift „Der Arbeiterfotograf“ als eingescante PDF kann hier kostenlos herunter geladen werden: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/90915/1/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.