Form und Inhalt – ein Essay von Catharina Lindgren (Übertragung Peter Zenker)

Foto: Catharina Lindgren

In der Straßenfotografie und im Fotojournalismus spiegeln sich politische Auffassung und Meinung des Fotografen immer im Bild wieder. Wie es
W. Eugene Smith formulierte: „Der journalistische Fotograf kann nichts anderes als seinen persönlichen Ansatz haben, es ist ihm unmöglich objektiv zu sein. Ehrlich ja, objektiv nein.“

Dieser hoch angesehene Künstler hat jedes Bild mit emotionalem Aufruhr bezahlt und für mich ist das eine Leitfaden: Weckt ein Bild keine Gefühle in mir, ist es nicht sinnhaft, sollte es wohl besser nicht veröffentlicht werden.

Was Menschen in einem Foto sehen hängt nicht nur von ihren Kenntnissen der Fotografie ab, sondern auch von ihrer politischen Überzeugung und ihrem sozialen Umfeld. Wir sind alle durch unsere unmittelbare Umgebung, unsere Erziehung und Bildung beeinflusst.

In meiner fotografischen Entwicklung wurde ich stark durch die Fotografie eines Menschen beeinflusst, der politisch nicht auf der gleichen Seite steht wie ich. Ich respektiere ihn nach wie vor als Fotograf, bin aber absolut gegen seine Fotos in denen er die Gegendemonstranten einer von der Polizei geschützten Demonstration der schwedischen ultrakonservativen Partei, die allgemein als nationalistisch und rassistische gesehen werden, in extrem „bösen“ Portraits darstellt. Ich gebe zu, dass ich seine Fotos kraftvoll und eindrucksvoll finde, aber ich vermisse die Gesichter der Ultrakonservativen, die die Ursache der Aggressionen waren, die in den Fotos wiedergegeben werden. Es sieht so aus, als wolle der Fotograf die Rechten schützen während er mit anklagendem Finger nur auf die Linke Seite zeigt.

Im krassen Gegensatz zu solcher schleichenden Verteidigung eines Extrems durch einseitiges portraitieren der Gegenseite, setze ich mich für einen offenen  Ansatz ein. Ich habe deshalb das hier gezeigte Foto als eine aufrichtige Hommage an diese Frauen ausgewählt die nach meiner Meinung wahre Botschafter der Demokratie sind.

Der Dritte Weltkrieg hat bereits begonnen, meine Freunde, und wir werden bald mehr darüber erfahren, denn Trump beabsichtigt, sich auf eine ziemlich aggressive Weise zu engagieren, was dazu führen kann, dass es ihm gelingt, alle Muslime zu vereinen. Ich hoffe ihr werdet unabhängig von den lokalen Nachrichten nicht aus den Augen verlieren, worum es in diesem Krieg wirklich geht und euch daran erinnern: Es geht es nicht darum, zwischen dem Islam und dem Christentum zu wählen. Das Ziel ist es, ein guter Botschafter für Demokratie zu sein.
Das Ziel ist nicht, zwischen dem Islam und dem Christentum zu wählen, das Ziel ist es, ein guter Botschafter für Demokratie zu sein. Altmodische, an weiße Vorherrschaft glaubende Menschen sind anfällig für eine Diktatur, während viele Muslime versuchen, ihre Religion zu modernisieren und zu demokratisieren.

Ich bin auf der gleichen Seite wie die sanften Damen auf dem Bild: für Demokratie, Bildung und Menschenrechte.

Achtet darauf eure eigene Meinung in eure Fotos einfließen zu lassen. Denkt über den Inhalt nach, über das, was ihr inhaltlich mit euren Fotos sagt damit ihr nicht unabsichtlich etwas Wichtiges oder etwas Bedeutungsvolles transportiert. Als Fotografen müssen wir die volle Verantwortung für unsere Bilder übernehmen. Ich fürchte aber, dass einige Menschen nur auf die Form achten und dabei den transportierten Inhalt übersehen.

Anmerkung:
Der Satz „Think about the content–about what you say in your picture–so as not to unintentionally express something important, or something that has a significant meaning.“ Hat mir etwas Probleme gemacht. Im Kontext ist die Aussage eigentlich deutlich, aber in einigermaßen linearer Übertragung letztlich etwas irreführend. Ich habe deshalb Catharina um eine erweiterte Erklärung gebeten.

Sie schrieb:

„Der letzte Teil dieses Absatzes erwähnt, dass ich befürchte, dass viele Menschen über die Form nachdenken, dabei aber vergessen, über den Inhalt (oder die Geschichte) nachzudenken. So könnten diese Menschen dann einen unbeabsichtigten Inhalt vermitteln weil sie statt über den Inhalt nachzudenken sich nur auf die äußere Form, Ähnlichkeiten, Farbkontraste, Juxta Position, schöne Formen oder Muster, besonderen Gesichtsausdruck usw konzentriert haben.
Die Geschichte hinter einem Foto ist wichtiger (oder signifikanter) als die Form Wenn du nur auf die Form in deinem Foto schaust, dann unterschätzt du vielleicht, dass Betrachter die Geschichte dahinter sehen, auch wenn du diese so wie man sie sehen kann womöglich gar nicht erzählen wolltest.

The last part of that paragraph mentions that I fear many people think about form but forget to think about content (or story), these people might unintentionally express something important in terms of content if they have not thought about it, because they look only to see if there is a similarity, or complementary colours, or a juxta, or a nice shape or pattern, or an emotion or a facial expression….
The story of a photo is more important (or more significant) than form, but if you only look for the form in your photo then you might forget that other people see the story, even if you did not intend to tell the story as it is shown in your photo“

Der Originaltext:

Politics and opinions are intrinsic to street photography and photojournalism. We have learned from W. Eugene Smith that: „The journalistic photographer can have no other than a personal approach; and it is impossible for him to be completely objective. Honest—yes. Objective—no.“

This highly regarded artist paid for every picture he made in emotional turmoil, and I take that as an instruction that if a photo doesn’t stir any emotions within me, it isn’t worthwhile and probably shouldn’t be published.

What people see in a photograph depends not only on their education in photography but also on their political opinions and social environment. We are all influenced by our immediate surroundings, as well as our upbringing and powers of understanding.

In the photographic journey of my life, I have in the past been influenced by the photography of someone who was not on the same side of the political fence as me. I still respect him as a photographer, although I am opposed to his portrayal of extremely angry left-wing counter-protesters at a series of police-protected demonstrations organised by the Swedish ultra-conservative party, whose members are often accused of being overly nationalistic and outright racist. I freely admit that his photos are powerful and evocative, but I question the absence of faces of the ultra-conservative demonstrators, who are the cause of the aggression that we see in his photos. It is as if the photographer wants to protect them and point an accusing finger only at the left.

In stark contrast to sneakily defending one extreme by only portraying the opposite extreme of a political opinion, I have a propensity to shun any attempt at throwing a veil over a critical situation and I much prefer to overtly advocate a genuine and openhearted approach. I have therefore chosen to show you this photo, as a sincere tribute to these women who are–in my honest opinion–true Ambassadors for Democracy.

World War III has already began, my friends, and we will soon hear more about it as Trump intends to get involved in a rather aggressive manner, which may have as a consequence that he succeeds in uniting all Muslims. Despite the news reported in your local media, I hope none of you will lose sight of what this war is really about, and remember:

The objective is not to choose between Islam and Christianity, the objective is to be a good ambassador for democracy. Old-fashioned white supremacists are prone to favour a dictatorship, while many Muslims seek to modernise their religion and favour democracy.

I am on the same side as these gentle ladies, for democracy, education, and human rights.

Take care to project your opinions in your photos. Think about the content–about what you say in your picture–so as not to unintentionally express something important, or something that has a significant meaning. As photographers, we must take full responsibility for our photos. I fear that some people look only at the form and tend to overlook the content.

Catharina Lindgren

 

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